Wissenschaftsausschuss diskutiert mit ExpertInnen über Qualitätssicherung im österreichischen Hochschulsystem

Drei Berichte von Beratungs- und Kontrolleinrichtungen im tertiären Bildungssektor einstimmig zur Kenntnis genommen

Wien (PK) - Anhand von drei Berichten befasste sich der Wissenschaftsausschuss heute mit Fragen der Entwicklung des österreichischen Hochschulsystems. Zum einen wurde die Tätigkeit von drei Einrichtungen, die zur externen Qualitätskontrolle beitragen, behandelt. Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion waren die in den Berichten formulierten Empfehlungen für das österreichische Hochschulsystem.

In seinem Tätigkeitsbericht für die Jahre 2015, 2016 und 2017 stellt der Österreichische Wissenschaftsrat (ÖWR) seine Wahrnehmungen zu den großen Linien der Entwicklung des Hochschulsystems dar und formuliert Empfehlungen, wohin diese gehen kann. Zu den Fragen der Qualitätssicherung der verschiedenen Hochschultypen im Jahr 2017 liegen der Tätigkeitsbericht der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria sowie der Jahresbericht des Qualitätssicherungsrats für PädagogInnenbildung vor. Alle drei Berichte wurden einstimmig zur Kenntnis genommen.

Österreichischer Wissenschaftsrat: Kritische Außensicht auf das österreichische Hochschulsystem

Den Bericht des Österreichischen Wissenschaftsrats (ÖWR) über seine Tätigkeit in den Jahren 2015, 2016 und 2017 ( III-123 d.B. ) präsentierte der stellvertretender Vorsitzende des ÖWR, Universitätsprofessor Rainer Blatt. Der ÖWR ist eine unabhängige Beratungseinrichtung des Bundes in Fragen des Hochschulsystems, die seit 2004 besteht. In seinen Empfehlungen und Stellungnahmen fühle sich der ÖWR dabei den legitimen gesellschaftlichen Erwartungen gegenüber der Wissenschaft und ihren hochschulischen Einrichtungen verpflichtet, sagte Blatt. Dabei sei er bemüht, anhand seiner Analysen produktive, am internationalen Wettbewerb orientierte Empfehlungen zu entwickeln, die in der Regel bewusst langfristiger und nachhaltiger Natur seien. Letztlich gehe es dabei um die Wahrung der Qualität des tertiären Bildungssystems in Österreich.

Prägende Themen in der Arbeit des Wissenschaftsrats in den vergangenen Jahren waren die Finanzierung der Forschung, die Analyse der Finanzflüsse in der Förderlandschaft und die Finanzierung der Universitäten und Fachhochschulen. Der ÖWR befasste sich auch mit der Differenzierung des Hochschulsektors und der verstärkt arbeitsteiligen Profil- und Aufgabenschärfung seiner Teilsysteme. Seine begleitende Expertise galt auch dem Ausbau des Fachhochschulsektors. Im Rahmen des Projekts "Zukunft Hochschule" befasste sich der Rat mit den Bemühungen zu einem kooperativen Abgleich des Lehrangebots zwischen und innerhalb der Hochschulen.

Der ÖWR beschäftigte sich unter anderem auch mit der Bildung von herausragenden Schwerpunkten in der Forschung durch eine Exzellenzinitiative für Österreich. Weitere Themen des ÖWR im Berichtszeitraum waren die Profilierung der Kunstuniversitäten, die Reform der Leistungsvereinbarungen, die Qualitätssicherung des wachsenden Sektors der Privatuniversitäten.

Maria Theresia Niss (ÖVP) erkundigte sich, welches Budget dem ÖWR zur Verfügung steht, und erkundigte sich nach der Sicht des ÖWR auf die Pläne der Bundesregierung, ihn mit anderen Räten zusammenzulegen. Diese Frage interessierte auch Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) und Gerard Deimek (FPÖ). SPÖ-Abgeordnete Andrea Kuntzl wollte wissen, was zum Ausbau der Fachhochschulen geplant sei, den der ÖWR empfehle, und fragte, ob die versprochenen 100 Mio. € aus der Bankenabgabe dafür zur Verfügung stehen werden. Gerade angesichts der zu erwartenden Reduktion von Studienplätzen durch die Studienplatzfinanzierung stelle sich die Frage, welche hochwertige Ausbildung man jungen Menschen anbieten könne. Philip Kucher (SPÖ) fügte noch die Frage der grundsätzlichen Aufgabenverteilung zwischen den einzelnen Teilen des Hochschulsystems an. Claudia Gamon (NEOS) interessierte sich dafür, wann Ergebnisse der Arbeitsgruppe des ÖWR, die sich mit dem Verhältnis von universitärer und außeruniversitärer Forschung beschäftigt, zu erwarten sind.

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann sagte, konkret sei eine Zusammenlegung mit dem Rat für Forschung und Technologientwicklung im Gespräch, wobei auch der ERA Council Forum Austria einbezogen werden könnte. Dabei sollten die besonderen Qualitäten dieser Einrichtung selbstverständlich gaewahrt bleiben. Er könne sich eine administrative Klammer der Räte vorstellen, um Synergien zu erzielen. Die Vorarbeiten und Überlegungen sollen mit dem kommenden Wintersemester beginnen, kündigte Faßmann an.

Was die Fachhochschulen betrifft, so halte er diesen Bereich für sehr wichtig. Die angesprochenen Mittel aus der Bankenabgabe stehen dafür zur Verfügung, versicherte er. Die Aufgabenverteilung zwischen Fachhochschulen und Universitäten sieht Faßmann im Sinne einer mehr berufsbezogenen Ausbildung an den FHs, während sich Universitäten mehr den allgemeinen wissenschaftlichen Fragestellungen und der Grundlagenforschung widmen sollten.

Rainer Blatt merkte an, der ÖWR mache sich bereits proaktiv Gedanken über eine Veränderung der Strukturen. Wichtig wäre es jedenfalls, dass die Unabhängigkeit des ÖWR gewahrt bleibt und er weiterhin eine Außensicht auf das Hochschulsystem einbringen kann. Das Budget des ÖWR betrage derzeit 500.000 € im Jahr, er gehe damit sparsam um und habe es in den letzten Jahren nie zur Gänze ausgeschöpft. Was die Fachhochschulen angehe, so habe der ÖWR eine Empfehlung abgegeben, wie der Vollausbau aussehen sollte. Es liege aber letztlich an der Politik, eine Entscheidung dazu zu treffen. Zum Verhältnis von universitärer und außeruniversitärer Forschung habe der Rat für Forschung und Technologieentwicklung eine Studie erstellt. Der ÖWR habe, um eine Doppelung zu vermeiden, keine eigene Studie erstellt, sondern eine Stellungnahme zur Studie des FTE-Rats erarbeitet. Beide Publikationen lägen bereits vor. Ein wesentliches Ergebnis sei, dass es in den beiden Forschungsbereichen immer wieder zu Doppelgleisigkeiten kommt, die man vermeiden könnte.

Zunehmende Aufgaben der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria

Zum Jahresbericht 2017 ( III-153 d.B.) der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria) war die stellvertretende Geschäftsführerin der Agentur, Anita Kruisz, in den Ausschuss eingeladen. Die 2012 aus ursprünglich drei Agenturen bzw. Geschäftsstellen zur externen Qualitätssicherung geschaffene AQ Austria blickt nun auf insgesamt fünf Jahre operative Tätigkeit zurück, erinnerte sie. Sie nimmt Aufgaben der Akkreditierung und des Auditing in Umsetzung des Hochschul-Qualitätssicherungsgesetzes (HS-QSG) wahr. Neue Aufgaben hat sie als Meldestelle für ausländische Studiengänge erhalten.

Abgeordnete Martina Kaufmann (ÖVP) wollte wissen, was es mit der Kritik an der langen Dauer der Akkreditierung von neuen Studiengängen an Fachhochschulen auf sich hat. Andrea Kuntzl (SPÖ) fragte, wie der Minister auf die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs reagieren werde, wonach § 27 HS-QSG nicht verfassungskonform sei, und welche Auswirkungen diese Entscheidung die Aufgaben im Bereich des Angebots ausländischer Studiengänge in Österreich habe.

Bundesminister Heinz Faßmann verwies auf die wichtige Rolle, welche die AQ Austria für den Hochschulraum wahrnimmt. Ein europäischer Hochschulraum sei nur möglich, wenn alle Seiten sich darauf verlassen können, dass die angebotenen Studien qualitätsgesichert sind. Die von der Regierung geplante Änderung von Gremien werde die AQ Austria nicht berühren, sie stehe für sich und leiste optimale Arbeit, sagte der Minister in Beantwortung einer Frage von Abgeordnetem Gerhard Deimek (FPÖ). Was die Länge der Verfahren betrifft, so seien nicht alle Forderungen nach Verkürzung aus seiner Sicht gerechtfertigt, die Anforderung ausländischer GutachterInnen und eine sorgfältige Bewertung brauche Zeit. Anita Kruisz fügte hinzu, es gebe offenbar auch unterschiedliche Sichtweisen über die Länge von Akkreditierungsverfahren. Aus Sicht der AQ Austria beginnt diese mit dem Zeitpunkt der Antragstellung. Sie verstehe aber, dass für die einreichenden Institutionen auch die Vorbereitungszeit auf die Einreichung Teil der Verfahrensdauer ist.

Eine Neufassung des § 27 HS-QSG erwarte er noch für heuer, sagte Bundesminister Faßmann. Das Thema sei wichtig, da insgesamt 146 Studiengänge von 19 ausländischen Institutionen und 13 österreichischen Partnern betroffen sind. Faßmann sprach sich für ein differenziertes Vorgehen aus. Europäische Institutionen mit vergleichbarer Qualitätssicherung seien anders zu betrachten als Anbieter aus Drittstaaten, wo es berechtigte Zweifel gibt.

Faßmann: Erfolgreiche Qualitätssicherung der PädagogInnenbildung Neu

Als begleitende Maßnahme zur Einführung der PädagogInnenausbildung Neu wurde 2013 der Qualitätssicherungsrat für Pädagoginnen- und Pädagogenbildung (QSR) eingerichtet. Er ist mit der laufenden Qualitätssicherung und -entwicklung beauftragt und erstattet darüber jährlich Bericht ( III-154 d.B. ). Bildungsminister Heinz Faßmann hob ausdrücklich hervor, der QSR habe durch seine vermittelnde Rolle wesentlichen Anteil daran, dass die Kooperation von Pädagogischen Hochschulen und Universitäten nach anfänglicher Skepsis beider Seiten in Gang kommen konnte und unterdessen gut funktioniert.

Andreas Schnider, Vorsitzender des QSR, wies in seinem Überblick über die Tätigkeiten des vergangenen Jahres besonders auf den Monitoringprozess hin, der begonnen wurde, um die Umsetzung der Reform in den vier Verbundregionen zu begleiten, und der zu gesicherten Aussagen über die dabei erzielten Fortschritte verhelfen soll. Der QSR möchte in Abstimmung mit den Anbietern und dem BMBWF seinen Blick in Zukunft vor allem auf die Wirkung der Reform in den Schulen richten und wolle eine entsprechende Evaluation durchführen, in die alle beteiligten Institutionen eingebunden werden, kündigte er an.

Sonja Hammerschmid (SPÖ) und Alois Rosenberger (ÖVP) erkundigten sich nach dem Zeitrahmen für die geplante Evaluation. Für Hammerschmid gibt es zudem eine Reihe wichtiger Themen, die zu bearbeiten sind, etwa einheitliche Aufnahmeverfahren, die Nachwuchsförderung der Pädagogischen Hochschulen, insbesondere im Bereich Fachdidaktik, sowie ein Augenmerk auf digitale Kompetenzen. Hammerschmid erkundigte sich auch, wie der Ausbau der Autonomie der Pädagogischen Hochschulen weitergehen solle. Claudia Gamon (NEOS) sprach die Frage von QuereinsteigerInnen in die pädagogische Ausbildung an. Für Rudolf Taschner (ÖVP) ist wichtig, dass die PädagogInnenausbildung NEU auch die Diversität des Schulsystems berücksichtigt, ansonsten ergäbe sich hier ein Widerspruch zwischen Ausbildung und Schulpraxis.

Schnider erläuterte, aus Sicht des QSR bedürfe es einer nach dem aktuellen Stand der Forschung konzipierten Evaluation, die vom BMBWF beauftragt werden sollte, und die der QSR begleiten könnte. Nur so könne man, unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus den bereits laufenden Evaluationsvorhaben in den Verbünden, zuverlässige Aussagen über die Wirksamkeit der PädagogInnenbildung Neu treffen. In ein bis zwei Jahren werden die ersten AbsolventInnen der PädagogInnenbildung Neu ins Schulsystem eintreten, gab Schnider zu bedenken. Bis dahin sollten die Vorbereitungen abgeschlossen sein, sodass eine begleitende Evaluation beginnen könne. Aus seiner Sicht sollte sich diese über mindestens acht Jahre zu erstrecken, um tatsächlich zu fundierten Aussagen kommen zu können.

In der Frage der Nachwuchsförderung müsse man ein besonderes Augenmerk auf die Fachdidaktik legen, sagte Schnider. Die Akademisierung des eigenen Personals müsse weitergehen. QuereinsteigerInnen hält er für wichtig, um das Schulsystem "bunter zu machen". Wichtig sei es auch daher, Studien so anzubieten, dass sie auch berufsbegleitend belegt werden können. Schnider ist überzeugt, dass die PädagogInnenausbildung insgesamt besser geworden ist, sodass LehrerInnen in verschiedenen Schultypen eingesetzt werden können.

Zur Frage der Autonomie sagte Bildungsminister Faßmann, sein Ressort arbeite bereits an Vorschlägen, wie diese erweitert werden könne. Die grundsätzliche Frage dabei sei, welche Aspekte von Autonomie dem Aufgabenprofil der Pädagogischen Hochschulen tatsächlich entsprechen. Hier handle es sich schließlich um Ausbildungsstätten, die für einen sehr spezifischen Arbeitsmarkt ausbilden. (Fortsetzung Wissenschaftsausschuss) sox

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