TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel von Wolfgang Sablatnig vom 14. Juni 2019 – Der Einzelfall HC Strache

Innsbruck (OTS) Too big to fail: Ein falsches Posting, und die Karriere eines freiheitlichen Funktionärs kann zu Ende sein. Wenn aber der Chef die Republik verkaufen will, ist alles anders. Warum es sich die FPÖ nicht leisten kann, Strache auszuschließen.

Heinz-Christian Strache wurde am Mittwoch 50. Ein großes Fest, das die Freiheitlichen schon vorbereitet hatten, fiel nach dem Ibiza-Video ins Wasser. Umso mehr freuen sich die Fans auf Facebook über das Foto von Strache mit seiner Philippa, das der gefallene FPÖ-Chef mit einem kurzen Dankeschön für Glückwünsche gepostet hat. Gestern Mittag hielt der Eintrag bei 20.000 Likes und 5000 Kommentaren.
Bei seinen eingefleischten Anhängern hat Strache trotz des Videos nur wenig an Popularität eingebüßt. Die Strenge, die sich der neue Parteichef Norbert Hofer im Umgang mit auffälligen Funktionären auf die Fahnen schreibt, scheint den Blauen in diesem Fall daher nicht angebracht. Strache rausschmeißen? Drei Monate vor der Nationalratswahl ist die Gefahr zu groß, es sich mit vielen Funktionären und Anhängern zu verscherzen, die den HC, wie Strache von seinen Fans gerufen wird, für ein Opfer dunkler Machenschaften halten.
Ganz abgesehen von den persönlichen Befindlichkeiten: Man könne nicht ein ganzes politisches Leben nur an sieben Stunden Video festmachen, meint Hofer. Tatsächlich war es Strache, der die FPÖ aus der Konkursmasse der existenziellen Auseinandersetzung mit Jörg Haider dorthin gebracht hat, wo sie jetzt steht. In dieser Zeit sind auch Freundschaften und Loyalitäten gewachsen.
Strache hat aber auch ganz handfeste Argumente, die seinen Freunden kaum eine Alternative lassen. Er stützt sich auf 45.000 Vorzugsstimmen, mit denen er einen Platz im Europaparlament jedenfalls fix hat, ob in oder außerhalb der rechten Fraktion. Da ist es allemal opportuner, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
Die Alternative wäre, sich Strache zum Feind zu machen – und wer weiß, auf welche Ideen das gefallene Idol da kommen könnte. An Reichweite würde es dem HC nicht fehlen: Über seine Facebook-Seite kann er mit 800.000 Anhängern direkt kommunizieren, wie er das seit seinem Rücktritt vorgemacht hat. Der FPÖ könnte es nur schaden, wenn sich die Meinung hier gegen die Partei dreht.
Too big to fail: Was in der Bankenwelt zum Unwort wurde, hat sich auch für die Freiheitlichen als fatal erwiesen. Strache in die Verbannung zu schicken, könnte die Partei weit mit hinunterreißen. Dass dem Einzelfall HC Strache damit die Glaubwürdigkeit geopfert wird, sehen wahre Blaue ohnehin ganz anders. Da kann er noch so oft Wasser, Zeitungen und Aufträge verschachern.

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