TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 9.Mai 2019 von Christian Jentsch – „Chronik eines angekündigten Krieges“

Innsbruck (OTS) Das Säbelrasseln zwischen den USA und dem Iran wird immer lauter. Ein neuer Krieg liegt in der Luft – mit verheerenden Konsequenzen nicht nur für die Golfregion, sondern für die ganze Welt. Die Brandstifter haben Lunte gerochen.

US-Präsident Donald Trump und vor allem sein Nationaler Sicherheitsberater John Bolton tun, was sie am besten können. Im Konflikt mit dem Iran wird eine gewaltige Drohkulisse aufgebaut, ein Flugzeugträger und eine Bomberstaffel wurden in die Golfregion beordert. Militärisch zeigen die USA dem Iran die Zähne und auch wirtschaftlich wird der Iran durch ein rigoroses Sanktionsregime in die Knie gezwungen. Mit dem einseitigen Ausstieg der USA aus dem im Juli 2015 in Wien geschlossenen Atom-Abkommen vor einem Jahr wurden die zuvor ausgesetzten Strafmaßnahmen wieder in Kraft gesetzt und noch deutlich verschärft. Seit 1. Mai soll kein Tropfen Öl mehr den Iran verlassen. Wer iranisches Öl weiterhin importiert, wird mit US-Sanktionen belegt. So einfach geht das in der schönen neuen Welt des „America First“, internationale Verträge interessieren wenig. Der Öl-Export ist das Rückgrat des Landes, das jetzt schon am Stock geht. Das Kalkül der USA ist klar: Das Regime in Teheran soll in die Knie gezwungen werden – ausgetrocknet durch wirtschaftliche Sanktionen oder auch militärisch, falls sich Teheran auch mit Hilfe seiner Verbündeten doch zu militärischen oder terroristischen Aktionen hinreißen lässt. Dann dürfte die Reaktion der USA heftig ausfallen. Und mit der nun angekündigten teilweisen Aussetzung des Atomdeals seitens des Iran droht sich die Eskalationsspirale weiter zu drehen. Ein Funke genügt, um die ganze Region in Brand zu stecken – mit verheerenden Folgen für uns alle. Das geostrategische Kalkül der USA hat sich seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump radikal geändert. Während der frühere US-Präsident Barack Obama und sein damaliger Außenminister John Kerry den Iran mit dem Atomabkommen zurück in die Internationale Gemeinschaft holen wollten, setzt Trump zusammen mit seinen Verbündeten Saudi-Arabien und Israel auf Härte. Sicher, der Iran ist in blutige Kriegen wie jenen in Syrien verstrickt und Drohungen gegen Israel dürfen nicht unbeantwortet bleiben. Dass auf der anderen Seite Saudi-Arabien, gerade unter den Fittichen von Kronprinz Mohammed bin Salman, alles andere als ein Friedensengel ist, dürfte freilich kein Geheimnis sein. Und eines ist auch klar: Mit seiner Haudrauf-Politik gegen den Iran bestrafen Trump und seine Einflüsterer genau die Falschen. Die Hardliner im Iran reiben sich Hände. Unter die Räder kommen die Moderaten, die prowestliche Mittelschicht, für die der Atomdeal eine Art Überlebensversicherung war. Die Hoffnung war groß, nun ist sie begraben. Doch das scheint die Brandstifter recht wenig zu interessieren.

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