TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 12. Februar 2018 von Christian Jentsch – Bluttriefende Vampire in Syriens Hölle

Innsbruck (OTS) - Die syrische Tragödie ist auch sieben Jahre nach dem Beginn des Konflikts trotz Hunderttausender Toter noch lange nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil. Nun droht eine weitere gefährliche Konfrontation und Eskalation – überall im Land.
Im März vor rund sieben Jahren gingen im Zuge des längst verblühten Arabischen Frühlings Menschen im Süden Syriens auf die Straße, um gegen die autoritäre Herrschaft des Regimes von Präsident Bashar al-Assad zu demonstrieren. Der begrenzte Konflikt wurde ganz gezielt ethnisch und religiös aufgeladen, eskalierte zum Bürgerkrieg und entwickelte sich rasch zum blutigen Stellvertreterkrieg der verschiedensten Regional- und Supermächte, die Syrien zu ihrem Schlachtfeld auserkoren haben. Sieben Jahre, Hunderttausende Tote und Millionen Vertriebene später haben es sich die Vampire in der Hölle Syriens gut eingerichtet. Die Städte, Dörfer und das Land sind verwüstet, Extremisten wurden geboren und von der Kette gelassen, die Zukunft begraben. Und hinter all dem steckt eiskalte Strategie der im syrischen Krieg involvierten Kräfte. Sie alle gehen über Leichen und strafen die Sonntagsreden über Werte und Frieden Lügen. Nach sieben Jahren hemmungslosen Tötens ist Syrien von einer Friedenslösung weiter entfernt denn je.
Die jüngsten Entwicklungen in Syrien machen eines jedenfalls klar:
Der Krieg ist noch lange nicht vorbei, die Schmerzgrenze noch immer nicht erreicht und eine Eskalation über die Landesgrenzen hinaus zum Greifen nahe. Seit dem Wochenende ist nun auch Israel ganz offen in den Krieg in Syrien involviert. Zwar gab es schon zuvor israelische Luftschläge gegen Stellungen der libanesischen und vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz in Syrien, die dort als einer der wichtigsten Unterstützer des Regimes von Präsident Assad gilt und etwa bei der blutigen Rückeroberung Aleppos eine zentrale Rolle gespielt hat. Doch nun droht ein offener Konflikt. Nach dem Eindringen einer angeblich iranischen Drohne in den israelischen Luftraum und dem Abschuss eines israelischen Kampfjets durch die syrische Luftabwehr flog Israel massive Vergeltungsschläge und warnte sowohl Damaskus als auch Teheran vor einer gefährlichen Konfrontation. Ein direkter Krieg zwischen Israel und dem Iran könnte den gesamten Nahen Osten zum Explodieren bringen. Und sonst? Im Norden Syriens führt das NATO-Land Türkei seinen Krieg gegen die Kurden, die zwar im Kampf gegen den IS vom Westen gebraucht wurden, nun aber wertlos geworden sind. Auch die Russen drücken ein Auge zu und bombardieren dafür lieber zusammen mit Assads Armee die verbliebenen Rebebellengebiete. Auf der anderen Seite rüsten die arabischen Gegenspieler Assads die Extremisten weiter hoch. An der syrischen Tragödie wird fleißig weitergeschrieben.

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