TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: “Dem Gebell und Gejaule zum Trotz”, von Benedikt Mair

Ausgabe vom Dienstag, 9. Juli 2019

Innsbruck (OTS) Tirol soll eine einheitliche Regelung für die Leinen- und Maulkorbpflicht bei Hunden erhalten. Das ist wichtig und richtig. Sofern Bedarf besteht, dürfen die Verantwortlichen vor einer Verschärfung des Gesetzes aber nicht zurückschrecken.

Wer schon einmal mit Tierhaltern im Generellen und Hundebesitzern im Speziellen das Gespräch gesucht hat, weiß: Geht es um ihre Liebsten, werden gar einige Herrchen und Frauchen gern und schnell emotional. Dass sich die Landesverwaltung Zeit genommen, viele Gespräche geführt und alle Pros und Contras abgewogen hat, verwundert in diesem Fall also nicht. Zu brisant und polarisierend ist das Thema. Ein falscher Schachzug und das Gebell und das Gejaule wären ohrenbetäubend.
Immerhin, mehr als ein halbes Jahr nachdem die zuständige Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) angekündigt hat, die Vorgaben für Hundehalter verschärfen zu wollen, liegt ein Gesetzesentwurf vor. Seit vergangenem Freitag ist er in Begutachtung. Grundsätzlich sind die Änderungen richtige, wichtige und längst überfällige Schritte. Aber werden diese alleine ausreichen?
Denn: Der Entwurf sieht zwar erstmals eine landesweit einheitliche Leinen- und Maulkorbpflicht, einen „Hundeführerschein“ und eventuell verpflichtende Nachschulungen und medizinische Kontrollen für verhaltensauffällige Tiere vor. Was (noch) fehlt, sind wirklich dras­tische Maßnahmen. Von der Einführung so genannter „Listenhunde“ – was besonders scharfe Regeln für gewisse Rassen vorsieht – wurde vorerst ebenso Abstand genommen wie von einer Alkohol-Promille-Grenze für Hundebesitzer oder empfindlich höheren Strafen bei Missachtung der Vorgaben. Also eine Novelle frei nach dem Motto: Prävention statt Sanktion.
Ob die ausgedachten Änderungen – sofern sie dann auch so beschlossen werden, wie sie aktuell angedacht sind – bissig genug sind, oder doch zu vorsichtig, und Hunde und Halter künftig an eine noch kürzere Leine genommen werden müssen, wird sich erst zeigen. Spätestens dann, wenn ein nicht angeleinter Hund ein Kind beißt, es einen Zwischenfall mit einem betrunkenen Tierhalter gibt, wird die Diskussion von vorne losgehen. Und die Verantwortlichen werden sich fragen müssen, ob sie nicht doch von Beginn an schärfere Regelungen hätten durchsetzen können oder sollen.
In jedem Fall muss, sofern etwas passiert, hart durchgegriffen werden. Wenn Regeln missachtet oder umgangen werden und damit die Gesundheit oder das Leben von Menschen gefährdet wird, braucht es hartes Durchgreifen. Allem Gebell und Gejaule, das mit Sicherheit aufkommen wird, zum Trotz.

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