Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 11. Jänner 2018. Von MANFRED MITTERWACHAUER. “Zum Siegen verdammt”.

Innsbruck (OTS) - Die Freiheitlichen wollen am 25. Februar das schwarz-grüne Koalitionsduo sprengen und die SPÖ im Zaum halten. Will Parteichef Markus Abwerzger die Blauen aber wirklich in die Regierung führen, braucht er mehr als nur den Rückenwind aus Wien.

Noch nie war die Ausgangslage für die Tiroler Freiheitlichen vor einer Landtagswahl so verlockend wie dieser Tage. Selten zuvor wähnten sich die Landesblauen ihrem Ziel derart nahe, wie es seit dem Amtsgelöbnis der schwarz-blauen Bundesregierung der Fall ist. Die FPÖ träumt nicht länger nur von Platz zwei hinter der scheinbar unantastbaren ÖVP, sie wähnt diesen Sieg bereits so gut wie in der Tasche. Von der Führungsriege um den seit 2013 amtierenden Landeschef Markus Abwerzger abwärts sind alle vom Erfolg überzeugt – das ist es aber, was die Situation für die Freiheitlichen derzeit so gefährlich macht.
Denn die Freiheitlichen wollen nicht nur, sie müssen am 25. Februar siegen. Mit einer Bundes-FP an der Macht, einer grünen Landespartei, die sich intern wie extern gegen den tödlichen Umklammerungsversuch des schwarzen Koalitionspartners zur Wehr setzen muss, und einer SPÖ, deren Profilbildung auch nach fünf Jahren Oppositionsarbeit keinen Meisterbrief wert ist, scheint für die FPÖ alles angerichtet. Das Ergebnis der Landtagswahl 2013 – 9,34 Prozent und damit Platz fünf noch hinter SPÖ, Grünen und Vorwärts – war eine große Schmach. Umfragen sagen der FPÖ jetzt einen Kantersieg mit bis zu 24 Prozent hinter der ÖVP voraus. Und damit die unangefochtene Anwärterschaft auf Platz zwei. Damit wird Abwerzger den Regierungsanspruch stellen – müssen.
Doch es wird nicht leicht, die neugewonnenen Partei-PS jetzt auch auf die Straße zu bekommen. Abwerzger muss Kritik an der ÖVP unter LH Günther Platter üben. Wählermäßig lohnt sich das Wildern im schwarzen Revier am meisten. Mit Blick auf das neue schwarz-blaue Bundes-Trachtenpärchen wird Abwerzger seine Platter’schen Seitenhiebe aber wohl eher mit dem Florett als einem Bihänder schlagen dürfen. Allzu scharfe Angriffe dürften auch den angestrebten blauen Regierungsverhandlungen mit der Platter-ÖVP keine gute Vorhut sein. So sehr Abwerzger den Tirolerinnen und Tirolern einen „Garantievertrag“ schmackhaft machen will, für all seine Parteimitglieder und deren Gesinnung kann er keine Lanze brechen. Ob Sauschädelaffäre oder Hitler-Geburtstagsgrüße – das Risiko brauner Rülpser ist nicht gebannt. Auch eine Hürde auf dem Weg zur Regierungsbank.
Damit die FPÖ aber in den kommenden Wochen nicht zu handzahm wirkt, dürften Grüne und SPÖ das meiste blaue Fett abbekommen. Die Frage ist nur, ob das auch am 25. Februar reicht, um als Zweiter über die Ziellinie zu gehen.

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