Mückstein: Psychotherapie auf Krankenschein von Gesundheitsministerin auf lange Bank geschoben

Grüne: Vom Psychotherapie-Meilenstein von Bundeskanzler Kern sind wir meilenweit entfernt

Wien (OTS) - "Der gestrige Gesundheitsausschuss, in dem ich drei Anträge zur Lösung der Psychotherapie-Problematik einbrachte, verlief äußerst enttäuschend“, berichtet Eva Mückstein, Gesundheitssprecherin der Grünen.   

Die Anträge wurden allesamt vertagt. Der Gesundheitsausschuss hat sich auch mit der Petition 'Psychotherapie auf Krankenschein für alle – jetzt' beschäftigt, die in kürzester Zeit von 12.500 Personen unterschrieben wurde. "Der Grüne Antrag auf Einsetzung eines Unterausschusses, der die Möglichkeit eröffnet hätte, vertieft und auf ExpertInnen-Ebene dieses wichtige Gesundheitsversorgungsproblem zu führen, wurde leider auch auf die lange Bank geschoben und vertagt“, informiert Mückstein.

Die Gesundheitsministerin will erst die Vorschläge des Hauptverbandes abwarten, die bis Sommer 2017 vorgelegt werden sollen. Dabei besteht die Gefahr, dass die Deckelung der kassenfinanzierten Psychotherapie nicht aufgehoben, sondern der Deckel nur leicht angehoben wird. Mückstein: "Das würde das Grundproblem nicht lösen. Die Kassenplätze nur um 25 Prozent zu erhöhen, ausgehend von einem extrem niedrigen Versorgungsgrad, verhöhnt all jene, die dringend einen kassenfinanzierten Psychotherapie-Platz benötigen und aufgrund der Zusagen im Plan A des Bundeskanzlers Hoffnung geschöpft haben. Die Ungleichbehandlung von psychisch Kranken würde bestehen bleiben. Wer krank ist und einen Kassenplatz findet, hat Glück, wer zu spät kommt, bezahlt selbst. Dafür haben psychisch Kranke, die eine Psychotherapie suchen, endgültig kein Verständnis mehr.“

Kolportiert wird auch, dass es künftig nur noch kassenfinanzierte Psychotherapie oder Privatzahlung geben soll. Der Zuschuss soll nicht erhöht, sondern sogar abgeschafft werden. Das wäre empörend und eine neuerliche krasse Ungleichbehandlung von psychisch Kranken, wenn nicht gleichzeitig an eine Aufstockung um das fünf-fache gedacht wird, damit genügend Kassenstunden vorhanden sind.

Eine Systemänderung muss das Recht auf Krankenbehandlung für alle psychisch Kranken endlich sichern, und  es darf keine Abstufung zwischen leichten, mittelgradigen und schweren Erkrankungen geben, aufgrund derer Psychotherapieplätze vergeben werden. „Das wäre das  Einfallstor für eine massive Selektion in der Krankenbehandlung und die gewollte Etablierung einer 2-Klassen-Medizin mit Zuzahlungssystem“, warnt Mückstein und sagt weiter: „Ich fordere eine systemkonforme Regelung, die auch oder gerade psychisch Kranken das Recht auf Behandlung sichert. Dafür muss es eine bundesweit-einheitliche, vertragliche Absicherung mit der Berufsvertretung geben, damit auch für die Sozialversicherung klare Spielregeln im Umgang mit psychisch Kranken hergestellt werden.“

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