Greenpeace: Keine Entwarnung bei Glyphosat

Interessenskonflikte und Intransparenz bei Beurteilung durch Europäische Chemikalienagentur

Helsinki/Wien (OTS) - Greenpeace sieht nach wie vor keine Entwarnung bezüglich der Gefahren von Glyphosat. Die heute veröffentlichte Einschätzung durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) als unbedenklich bewertet die Umweltschutzorganisation kritisch. Im Zusammenhang damit weist Greenpeace auf Interessenskonflikte einiger Mitglieder des Ausschusses für Risikobeurteilung der ECHA hin. Sowohl der Vorsitzende als auch zwei weitere Mitglieder verletzen aus Sicht von Greenpeace die eigenen Regeln der Chemikalienagentur zur Vermeidung von Interessenskonflikten. Darüber hinaus stützt sich die Einschätzung der ECHA unter anderem auf von der Industrie selbst durchgeführte Studien, die bis heute der Öffentlichkeit nicht vollständig zugänglich gemacht wurden. Greenpeace fordert den zuständigen Minister Andrä Rupprechter einmal mehr auf, sich im Interesse der öffentlichen Gesundheit gegen eine Neuzulassung von Glyphosat einzusetzen.

„Die Entscheidung um das umstrittene Totalherbizid Glyphosat betrifft Millionen von Menschen in Europa. Es ist die gesetzliche Pflicht der Europäischen Chemikalienagentur, im Interesse von Gesundheit und Umwelt zu handeln. Daher ist es enorm wichtig, dass wissenschaftliche Gremien komplett unabhängig agieren und sich nicht auf geheime Industriestudien stützen“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich. Diese Bedingungen sieht Greenpeace bei dem Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA nicht erfüllt. Das hat die Umweltschutzorganisation auch bereits Anfang letzter Woche in einem offenen Brief an die Agentur festgehalten.

Tim Bowmer, der Vorsitzende des Ausschuss für Risikobeurteilung, erbrachte in der Vergangenheit vor allem Beratungsleistungen für die Industrie zur Risikobewertung von Substanzen. Zwei weitere Mitglieder des Ausschuss für Risikobeurteilung arbeiten für Forschungsinstitute, die ihr Einkommen unter anderem durch Industrie-Aufträge lukrieren. „Das sind klare Interessenskonflikte. Personen, die für Institute oder Beratungsunternehmen arbeiten, die um Industrie-Aufträge konkurrieren, sind nicht als unabhängige Expertinnen und Experten geeignet“, so Theissing-Matei. Greenpeace kritisiert außerdem, dass der Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA in seiner Bewertung unter anderem auf unveröffentlichte Industriestudien vertraut. „Hier braucht es Transparenz, damit die Ergebnisse von anderen Forscherinnen und Forschern überprüft werden können“, verlangt Theissing-Matei. „Es ist höchste Zeit, dass Bayer, Monsanto und Co. diese Studien auch endlich vollständig öffentlich machen.“

Im Hinblick auf die politische Entscheidung um eine Neuzulassung von Glyphosat in Europa haben innerhalb von fünf Wochen bereits fast eine halbe Million Menschen ein europäisches Volksbegehren gegen Glyphosat unterschrieben. Der Unkrautvernichter ist laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO wahrscheinlich krebserregend. „Solange eine Gefährdung von Millionen Europäerinnen und Europäern nicht ausgeschlossen werden kann, muss sich endlich auch Minister Andrä Rupprechter gegen eine Neuzulassung positionieren“, fordert Theissing-Matei.

Offener Brief von Greenpeace an die Europäische Chemikalienagentur:
http://bit.ly/2lX1Y8p

Die Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat kann hier unterzeichnet werden:
https://landwirtschaft.greenpeace.at/glyphosat-eci/

Rückfragen & Kontakt:

Sebastian Theissing-Matei
Landwirtschaftsexperte
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.: +43 (0)664 61 03 995
E-Mail: sebastian.theissing@greenpeace.org

Nora Holzmann
Pressesprecherin
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.: +43 (0)664 61 03 998
E-Mail: nora.holzmann@greenpeace.org



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