Ex-NEOS-Chef Matthias Strolz auf Ö3 über seine berufliche Zukunft: „Ich bin kein Ladenhüter, ich bin zum Brauchen.“

Außerdem über prominente Polit-Aussteiger als Ratgeber & seinen Surfkurs

Wien (OTS) - Vergangene Woche hat NEOS-Gründer Matthias Strolz die Führung seiner Partei übergeben, Ende September wird er auch den Sessel des Klubobmanns räumen. In Ö3-„Frühstück bei mir“ präzisierte er noch einmal die Gründe für seinen Rücktritt – hatte er doch vor einem Jahr im Zuge der Ö3-Sommergespräche gesagt, dass er sich erst „in der Halbzeit bei den NEOS“ sähe. Strolz diesen Sonntag auf Ö3:
„Ich war vor einem Jahr in der Bewusstseinshaltung stark in Vorbereitung auf eine Regierungsverantwortung der NEOS. Und für diese Aufgabe, die NEOS in der Pionierphase der Regierungsverantwortung anzuführen, wäre ich sicher am besten geeignet gewesen. Aber in der Opposition können es andere mindestens genauso gut.“ Außerdem gab es private Gründe für den Vater dreier Töchter: „Die Vaterrolle hat angeklopft und gesagt: wenn du jetzt in der Partei ersetzbar bist, hier bist du es nicht.“

Für seine neue Rolle als Polit-Aussteiger bereitet sich Strolz derzeit gründlich vor, er hat sich bereits mit einigen anderen Ex-Politikern getroffen: „Ich war diese Woche mit Erhard Busek Mittag essen, habe Rudi Hundstorfer getroffen und Doraja Eberle, die Landesrätin war. Ich interviewe die Leute und frage: ‚Wie ist es dir damals gegangen, als du rausgegangen bist?‘ Die Änderung der Infrastruktur zum Beispiel. Ich habe nie einen Fahrer gehabt, was ja hilft, ich war immer öffentlich unterwegs oder mit dem Taxi. Aber ich muss mich an vieles gewöhnen, angefangen damit, dass es bei Computerproblemen keinen Servernetzwerkbeauftragten mehr gibt. Oder ich muss lernen, meine Filme für Instagram selber zu schneiden. Ist eh nicht schlecht.“ Und auch weitere prominente Polit-Pensionisten wurden von Strolz befragt, erzählte er in Ö3-„Frühstück bei mir“: „In Willi Molterer und Reinhold Mitterlehner bin ich jetzt vor kurzem hineingerannt. Natürlich rede ich mit denen allen und sag‘: ‚Was is‘, machma einen Pensi-Klub?‘ Irgendwie schäkerst du und lachst, aber im dritten Satz bist du schon in einer ernsthaften Befragung: ‚Wie war das für dich und auf was muss ich aufpassen?‘“

Auf die Frage, ob ihm der Verzicht auf sein Politikergehalt von 14.884,80€ brutto 14 Mal im Jahr nicht doch auch schwergefallen ist, antwortet Strolz im Gespräch mit Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl:
„Natürlich gibt es die Gedanken, was ich da alles aufgebe. Die kommen wie eine Schwalbe, die über dem Kopf kreist und fragt: ‚Bist du dir sicher?‘. Und dann sage ich: ‚Ja, ich bin mir sicher, flieg‘ weiter – setz dich nicht auf meinen Schädel!‘ Geld war nie ein leitendes Motiv für mich.“ Strolz, der ja auch für die Gründung der NEOS privates Kapital beisteuerte, rechnete auf Ö3 vor: „Ich habe Rücklagen, ich habe auch Schulden. Das habe ich als Unternehmer gelernt: Ein Unternehmer hat immer Geld und immer Schulden, und jetzt bin ich eben eine Privatperson mit Geld und Schulden. Ich habe einen endfälligen Schweizer-Franken-Kredit, der ist ein Elend, weil er von selbst mehr geworden ist, aber ich habe auf der Gegenseite Wertpapiere aufgebaut, die laufen besser und irgendwann um das Jahr 2025 wird der Tag kommen, wo das ausgeglichen sein wird.“ Er bilanziert: „Man muss schauen, dass irgendwo ein Knödl daherkommt, wir werden aber im ersten Monat nur noch Brot und Wasser haben.“

Die Job-Angebote für Strolz seit der Rücktritts-Pressekonferenz waren reichlich – von der Gründung diverser Start-Ups bis zu einer Schule:
„Ich will nichts machen, wo ich wieder 70 Stunden die Woche drinhänge.“ Auch das Angebot Vorarlberger Bürgermeister zu werden, hatte Strolz bekommen: „Ich möchte aber definitiv in Wien bleiben“, schließt der Ex-NEOS-Chef diese Option im Ö3-Gespräch aus. Sein nächstes konkretes Vorhaben ist ein Urlaub am Gardasee: „Dort werde ich einen Surfkurs machen“. Und er wird sich Buchprojekten widmen:
„Ich schreibe derzeit über Antworten zu Lebensthemen - Freud und Leid, Freiheit, Freundschaft, Gott, Sterben – das ist schon zur Hälfte fertig. Außerdem will ich über die ‚Vision Quest‘ schreiben, meine fünftägigen Erfahrungen des Rückzuges im Wald zur Entscheidungsfindung. Das habe ich ja vor der Gründung der NEOS gemacht. Über Politik möchte ich nicht schreiben, obwohl es das erfolgreichste Konzept wäre.“ Im Februar plant Strolz drei Wochen lang nach Südamerika zu reisen, um eine Ausbildung für systemische Entwicklungsmodelle zu machen. Einen fixen Job will er frühestens im März wieder annehmen.

Eine Rückkehr in die Politik schließt der NEOS-Gründer nicht aus. „Ich halte es für möglich, dass ich wieder den Schritt hineinmache, ich bin zu sehr von diesem Virus infiziert. Vielleicht wenn die Kinder aus dem Haus sind.“ Die Themen Friedensarbeit und Europa interessieren ihn besonders. „Meine Nachfolgerin hat mich auch gefragt, ob ich im Hintergrund in europäischen Vernetzungen mitarbeite, was mir ein großes Anliegen ist. Ich glaube, dass es für Europa um immens viel geht in den nächsten Jahren.“ Auch das Amt des Bundespräsidenten hat Strolz weiter im Visier: „Ich hätte große Lust und Phantasie, dieses Amt noch einmal ganz anders auszukleiden. Ich glaube, man könnte große nationale Debatten moderieren und einen Rahmen dafür schaffen, ohne in die Tagespolitik hineinzuregieren.“ In jedem Fall zeigte sich der Polit-Aussteiger in Ö3-„Frühstück bei mir“ zuversichtlich: „Ich bin kein Ladenhüter, ich bin zum Brauchen. Ich freue mich auf die nächste Etappe, egal was sie bringen wird.“

Ö3-„Frühstück bei mir“ – das große Interview der Woche, Persönlichkeiten ganz persönlich – jeden Sonntag von 9.00 bis 11.00 Uhr im Hitradio Ö3 und zum Nachhören online auf oe3.ORF.at.

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